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  • AutorenbildJulia Ramos

Schwieriges Thema: der Patient vermutet etwas

Im letzten Beitrag ging es darum, wie du mit schwierigen Themen umgehst, wenn dein Patient bereits Bescheid weiß. Dabei haben wir festgehalten, wie wichtig es ist, dass du den Raum für Gefühle und Gedanken gibst und hältst.

Genauso wichtig ist es zu betonen, dass so eine Situation auch mit dir etwas macht und einen weiteren Tipp, wie du für dich besser damit umgehen kannst, gebe ich dir wieder gegen Ende dieses Blogbeitrages.

 

Wenn dein Patient etwas vermutet und du kannst es ihm nicht bestätigen, weil dies durch einen Arzt und weitere Abklärungen erfolgen muss, gilt es: die Gefühle und Gedanken deines Patienten nicht durch Spekulationen anzuheizen.

Das könnte durch zweierlei Reaktionen passieren (1) du stellst eine etwaige Diagnose namentlich in den Raum, oder (2) du verschweigst absichtlich etwas und gehst nicht auf die Fragen deines Patienten ein.

In beiden Fällen wird das Kopfkino des Patienten höchstwahrscheinlich die schlimmsten Horrorszenarien abspielen.

Wie lässt sich das vermeiden?

 

Wenn du eine Diagnose vermutest, aber noch mehr abgeklärt haben möchtest, dann sage es gerne offen und schlechtes Gewissen. Die Art und Weise WIE du kommunizierst hat großen Einfluss auf die Reaktion deines Gesprächspartners.

Das könnte so aussehen: „Lieber Herr Patient, wir haben ja bereits in der Anamnese einige Punkte festgehalten und nun möchte ich gerne weitere Abklärungen durch eine ärztliche Untersuchung durchführen lassen. Wir sind noch weit von einer Diagnose entfernt, aber in meiner Erfahrung ist Vorsorge eines der besten Mittel, um unschöne Überraschungen zu vermeiden. Wenn Sie im Moment Fragen beschäftigen, dann beantworte ich Ihnen diese gerne.“

Du zeigst hier dein Fachwissen und deine Empathie, beides ist wichtig, dass dein Patient sich gut aufgehoben fühlt. Gefühle deinerseits sind in der Situation unpassend, weil sie dem Patienten Angst machen würden.

Wenn er dir Fragen stellt, beantworte diese freundlich, mit der Betonung darauf, dass weitere Abklärungen erforderlich sind.

Lobe deinen Patienten dafür, dass er sich bereits mit dem Thema auseinandersetzt und ermutige ihn, dass es in Ordnung ist, sich Sorgen zu machen und trotzdem optimistisch zu bleiben.

 

Das Ziel des Gespräches ist es, dass dein Patient sich in seiner herausfordernden Situation gesehen und verstanden fühlt. Das erreichst du am ehesten, wenn du deine eigenen Gefühle und Ängste bei dir behältst und offen auf Fragen antwortest, immer mit der Absicht, nicht bereits in einer Art zu sprechen, als wäre die Diagnose bereits gefällt.

 

 

Anders sieht es aus, wenn du die Diagnose benennen kannst.

Da dein Patient bereits etwas ahnt, kannst du ihm sagen, dass der Verdacht der Diagnose sich erhärtet hat.

Bevor du weiterredest, warte kurz ab, um deinen Patient die Möglichkeit zu geben, diese Information zu verarbeiten.

Es gibt nicht die eine Reaktion auf solche Neuigkeiten, deswegen bleibe ich hier so weit wie möglich und beschränke mich auf folgende zwei Reaktionen:

(1) dein Patient ist ungeduldig und will sofort mehr wissen. Er wird dich mit Fragen bombardieren, welche du ihm auch beantworten wirst. Halte dich dabei kurz und gehe nicht in unnötige Erklärungsversuche. Dein Patient ist jetzt in einer Ausnahmesituation und zeigt dir, dass er diese lieber sachlich angehen will. Also bleibe sachlich, ohne deine Empathie aufzugeben.

Wenn er mit seinen Fragen fertig ist, kannst du deine Themen setzen. Unter Umständen ist es sogar sinnvoll, einen weiteren Termin innerhalb der nächsten paar Tage zu machen, damit er sich sammeln konnte und im zweiten Termin gedanklich offen für den Austausch mit dir ist.

(2) der Patient bleibt ruhig und starrt vor sich hin. Warte max. 1 Minute und erkundige dich vorsichtig, ob der Patient seine Gedanken mit dir teilen würde. Es ist möglich, dass er zögerlich anfängt, sich zu öffnen, dann reagiere mit einem Kopfnicken und einem weichen Blick auf das, was er sagt. Stelle gerne Verständnisfragen, aber gib ihm ein paar Minuten, um sich auszudrücken.

Es ist auch gut möglich, dass es sinnvoll ist, einen weiteren Termin innerhalb der nächsten Tage zu vereinbaren. Es ist das eine, etwas zu ahnen und etwas völlig anderes, es bestätigt zu wissen.

 

In beiden Fällen zeige deinem Patienten, dass du für ihn da bist und lenke die Aufmerksamkeit darauf, dass es noch einige Optionen gibt, die für ihn zur Verfügung stehen.

Falls du etwas zum Lesen hast, dann gib ihm das gerne mit. Zeige deinem Patienten deine zugängliche und verständnisvolle Seite und versichere ihm erneut, dass du für ihn da bist und wenn du bereits anderen mit der Diagnose helfen konntest, dann führe das gerne an.

Was erreichst du dadurch? Das er sich nicht alleine fühlt. Eine Diagnose kann einem den Boden unter den Füßen wegreißen und die Gewissheit, dass einen Weg gibt, schenkt Kraft.

 

Solche Situationen sind auch für dich belastend, und ich habe beim letzten Mal darauf aufmerksam gemacht, dass du dir eine Supervisionesgruppe suchen kannst, oder dich mit Kollegen zu einer Austauschgruppe zusammenschließen kannst.

Mein heutiger Tipp ist, dass du das auch wirklich machst und nicht nur vor dir herschiebst, als To-Do. Finde einen Rhythmus in der Gruppe wie er für dich passend ist, du musst dich nicht jede Woche treffen, einmal im Monat, oder selbst Quartal kann ausreichen.

Wichtig ist, dass du deine emotionale Erfahrung teilen kannst, und sie dadurch leichter wird.

Vielleicht hilft es dir auch, wenn du Bücher zu dem Umgang mit deinen eigenen Gedanken und Gefühlen liest bzw. als Audiobuch anhörst.

Bitte achte gut auf Dich!

 

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, aber es für dich noch mehr in die Tiefe hätte gehen können, dann lade ich dich ein, dir meinen Podcast anzuhören. Dort erzähle ich mehr zu dem Monatsthema wie man schwierige Themen anspricht. Entweder du klickst auf den Button „Podcast“, der leitet dich zu Spotify, oder du gehst zu deinem bevorzugten Anbieter für Podcasts und suchst nach „Let’s talk about conversation by Julia“.

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