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  • AutorenbildJulia Ramos

Schwieriges Thema: es geht um einen Angehörigen

Was ist, wenn es in dem schwierigen Thema um einen Angehörigen deines Patienten geht?

Selbstverständlich ist dir bewusst, dass du keine Diagnose stellen kannst und deine Meinung zu dem medizinischen Vorgehen mit absolutem Fingerspitzengefühl kommuniziert werden darf. Falls dies überhaupt nötig ist.

 

Vielleicht fühlst du dich in dieser Situation verloren, denn dein Verhalten und Vorgehen wird nicht in erster Linie durch deine Tätigkeit als Mensch in einem Gesundheitsberuf diktiert. Sondern durch deine Empathie und deine Fähigkeit, deinem Gesprächspartner einen Raum zu geben und diesen zu halten, auch wenn er mit unangenehmen Gefühlen und Gedanken gefüllt ist.

 

Was genau kannst du machen? Du kannst zuhören und Fragen stellen.

Wenn dein Patient sich Antworten von dir wünscht, dann ist es wichtig, dass du freundlich die Grenzen von dem aufzeigst, was du an Antworten geben kannst.

„Lieber Herr Patient, ich verstehe, dass Sie viele Fragen um diese Situation haben und soweit ich kann, möchte ich Ihnen Antworten geben. Allerdings betone ich, dass meine Antworten nur allgemeiner Natur sein können und Sie gezielte Antworten zu dem Befinden und der gesundheitlichen Entwicklung Ihres Angehörigen von dessen zuständiger medizinischer Betreuung bekommen können.“

(Wenn das jetzt etwas hölzern klingt, dann liegt das daran, dass ich versuche, so allgemein wie möglich zu formulieren. Du würdest die Aussage natürlich direkter und besser formuliert treffen.)

 

Es kann sein, dass du mit Trauer, Wut, Enttäuschung und anderen negativen Gefühlen konfrontiert wirst. Solange es sich in einem Rahmen befindet, wo sich dein Gegenüber ausdrückt und du den Raum halten kannst und möchtest, gilt folgendes:

Sage nur dann, dass du etwas verstehst, wenn du es selber durchgemacht hast. Entschuldige nicht für etwas, was du nicht getan hast.

Solange die Gefühle hochkochen, sind solche Aussagen wie Öl in ein Feuer schütten.

Besser ist es, zu zuhören und zu nicken.

Nach ein paar Minuten sollte sich dein Gesprächspartner aus der ersten Intensität der Gefühle befreit haben.

Leite dann über mit dem Satz: „Das war jetzt gut, dass Sie die Gedanken und Gefühle aussprechen konnten. Ich konnte mich dadurch besser in Ihre Situation hineinfühlen. Darf ich einige meiner Gedanken mit Ihnen teilen?“

Selbstverständlich wird dein Patient dies bejahen. Die Frage dient auch nicht dazu, eine Erlaubnis einzuholen, als viel mehr dazu, darauf vorzubereiten, dass das Gespräch jetzt eine andere Wendung nimmt.

Ab jetzt sollten Lösungen und Möglichkeiten im Vordergrund stehen.

 

Was ist aber, wenn der Patient respektlos wird, oder deiner Grenze überschritten wird?

Der erste Hinweis ist, dass du deine Ruhe bewahrst. Jetzt laut zu werden, oder gefühlsmäßig zu reagieren wird die Situation eskalieren.

Das Ziel in diesem Moment ist es, dass dein Gesprächspartner dir mit Respekt begegnet. Ob und wie das Gespräch weitergeführt wird, ist an diesem Punkt nicht entscheidend.

Du kannst folgendes sagen: „Herr Patient! Ich verstehe, dass dies eine Ausnahmesituation für Sie und Ihre Familie bedeutet. Dennoch bitte ich Sie, auf Ihren Ton mir gegenüber zu achten.“

Entweder der Patient entschuldigt sich, dann liegt es an dir zu entscheiden, ob du das Gespräch weiterführen möchtest, oder lieber abbrichst. Theoretisch wäre auch die Vereinbarung eines weiteren Termins möglich, allerdings halte ich es für unwahrscheinlich, dass der Patient diesen einhalten würde.

Wichtig: Wenn du dich unwohl fühlst, ist es in Ordnung, das Gespräch abzubrechen.

Allerdings sollte das nicht die Norm sein, denn die Fähigkeit, auch schwierige Gespräche zu führen lässt sich lernen.

Wenn der Patient weiter wütend bleibt, dann kannst du ihm die Wahl geben, seinen Ton jetzt zu mäßigen, oder einen neuen Termin zu vereinbaren.

 

Jetzt wurde zweimal die Option gegeben, dass ein weiterer Termin vereinbart werden kann. Wenn du die Wahrscheinlichkeit erhöhen möchtest, dass dein Patient diesen wahrnimmt, kannst du ein paar Tage nach dem ersten Gespräch bei ihm anrufen und dich erkundigen, wie es ihm geht. Auf diese Weise sieht er, dass du ihm nichts nachträgst und ist eher bereit, wieder zu dir zu kommen.

 

Mein letzter Tipp für dich, wie du mit solchen schwierigen Themen umgehen kannst ist, dass du sie in Rollenspielen mit Freunden und/ oder Familie übst. Je öfter du solchen Situationen begegnest, desto besser und natürlicher kannst du mit ihnen umgehen.

Oder du suchst dir einen Mentor oder Coach, mit dem du deine Themen rund um die Gesprächsführung angehen möchtest. Wenn du dir vorstellen kannst, dass ich dich hier unterstützen kann, dann melde dich gerne bei mir. Entweder per Mail auf julia@lebedeinenkundentraum.de oder via Nachricht über Instagram, dort findest du mich als julia_ramos_mentoring

 

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, aber es für dich noch mehr in die Tiefe hätte gehen können, dann lade ich dich ein, dir meinen Podcast anzuhören. Dort erzähle ich mehr zu dem Monatsthema wie man schwierige Themen anspricht. Entweder du klickst auf den Button „Podcast“, der leitet dich zu Spotify, oder du gehst zu deinem bevorzugten Anbieter für Podcasts und suchst nach „Let’s talk about conversation by Julia“.

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