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  • AutorenbildJulia Ramos

Was ist authentische Kommunikation nicht?

Wie im vorigen Artikel bereits geschrieben, wird die authentische Kommunikation teilweise als Marketing-Instrument benutzt, um den Kunden auf charmante Weise zu entwaffnen.

Wenn sie nicht aus dem Selbst kommt, kann Kommunikation manipulieren. Sobald du mit deiner Kommunikation deine Absicht verheimlichen möchtest und etwas vorspielst, ist sie nicht mehr authentisch.

Deswegen stehe ich ganz klar für die Aussage: Authentische Kommunikation ist kein „Mittel“ für (toxisches) Marketing!

Authentische Kommunikation kommt aus dem Herzen und ist deswegen stark mit den eigenen Werten verbunden und findet auf Augenhöhe mit meinem Gegenüber statt. Ich habe dabei nicht nur meine Interessen im Auge, sondern auch die meines Gesprächspartners.

Das Wort authentisch ist allerdings kein Freibrief dafür, sich taktlos zu verhalten.

Sicherlich schließt eine offene und aufrichtige Kommunikation mit ein, hin und wieder unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Ganz klar kann nicht immer vermieden werden, dem Gegenüber damit weh zu tun.

Ich selber stehe dafür, dass ich meinen Mentees und Kundinnen liebevoll die Wahrheit sage und ich bin mir bewusst, dass dies manchmal mit Schmerzen verbunden ist. Allerdings sind das Schmerzen, die mit Wachstum zu tun haben und aus diesem kurzen Moment des Schmerzes wächst etwas Wundervolles. Wachstum tut weh. Trotzdem achte ich darauf, den nötigen Respekt und viel Liebe in meinen Worten und Taten zu haben.

Wenn mein Gegenüber spürt und sieht, dass ich aus aufrichtigem Interesse handle, ist neben dem Schmerz auch schon der Raum zur Heilung gegebenen.

Authentische Kommunikation ist auch nicht ungefiltert, in dem Sinne, dass ich mit allem rausplatze, was ich denke und fühle. Wenn mir jemand etwas sagt, bei dem ich sofort eine Antwort geben möchte, dann tue ich gut daran, erstmal nur zuzuhören.

Vor allem, wenn ich starke Emotionen habe, kann es sich richtig anfühlen, sofort und ungefiltert zu reagieren. Doch in aller Regel verschlimmert man die Situation und die Fronten verhärten sich, was nachteilig für beide Seiten ist.

Das bedeutet nicht, dass ich alles lautlos schlucken muss, es bedeutet lediglich, dass ich mich nicht von meinen Emotionen mitreißen lasse, sondern den Moment zum Austausch überlegt treffe.

Ich möchte anmerken, dass sich meine Aussagen auf Gesprächspartner beziehen, die mit mir auf Augenhöhe sind und mir grundsätzlich wohlwollend gegenübertreten. Wenn ich mit einer toxischen Person zu tun habe, dann ist ein anderes Verhalten sinnvoll, nämlich der Rückzug, soweit möglich. Aber das ist ein ganz anderes Thema und dennoch ist es mir wichtig, es kurz aufgegriffen zu haben.

Denn authentische Kommunikation passt sich auch meinem Gegenüber an und mit einigen Menschen möchte ich eine Verbindung eingehen und mit anderen lieber nicht. Im vorherigen Artikel habe ich den Vergleich mit dem Magneten benutzt.

Obwohl authentische Kommunikation kein Mittel ist, dass man einsetzen kann, ist es dennoch eine Fertigkeit, die gelernt werden kann.

Das klingt vielleicht paradox, denn authentische Kommunikation kommt zwar aus dem Herzen und doch können wir es nicht automatisch. Das ist ähnlich wie mit dem Sprechen, wir bringen zwar mit, was es braucht, um zu sprechen, aber wir müssen die Fähigkeit trotzdem erst lernen.

Wo ist denn jetzt der Unterschied zwischen dem toxischen Mittel und der erlernbaren Fähigkeit?

Hier können schnell Diskussionen ausbrechen, denn die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, deswegen möchte ich ein drastisches Beispiel nehmen: Was ist der Unterschied zwischen einem Mord und dem Tod eines Menschen in Folge von Notwehr?

Wenn ich mit meiner Kommunikation ein Ziel habe und eine Agenda verwende, was ich wann wie sage, um meinen Gegenüber entsprechend meiner Wünsche zu lenken und ihm damit seinen freien Willen abspreche, dann ist das toxisch und nur reines Mittel zum Zweck.

Wenn ich meine Kommunikation verwende, um ein angenehmes Gesprächsklima zu schaffen, um einen ehrlichen und offenen Austausch mit meinem Gesprächspartner zu haben, aber ihm nicht meinen Wunsch-Auskommen als Ziel aufdrücke, sondern unser beider Interesse im Auge behalte, dann ist das authentische Kommunikation als Fähigkeit.

Authentische Kommunikation hat nichts mit Manipulation zu tun, und ist deswegen kein Mittel im Marketing. Wer in einem toxischen Kontext seine Kommunikation als Verkaufsmittel „authentisch“ nennt, führt seinen Gegenüber hinters Licht.

Denn authentische Kommunikation ist auf keinen Fall manipulativ!

Wer die Kommunikation als Manipulation nutzt, kommuniziert auf keinen Fall authentisch, denn das eine schließt das andere aus.

Authentische Kommunikation ist also kein Mittel, um meinen Willen meinen Mitmenschen aufs Auge zudrücken und es ist auch keine Ausrede, um verletzende Dinge zu sagen.

Es bedeutet auch nicht, dass ich immer alles sofort sagen muss, sondern es gehört auch eine gute Portion Timing dazu. Beim Timing habe ich den Vorteil, dass ich mir Zeit nehmen kann, nochmal über alles nachzudenken und sicherzustellen, dass ich aus aufrichtigen Gründe sage, was mir auf dem Herzen liegt.

In meinen Augen ist die authentische Kommunikation eine ganz wichtige Fähigkeit, die sich erlernen lässt und dann viele positive Auswirkungen hat: man entwickelt ein klares Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein wächst dadurch. Die Bindungen zu den passenden Menschen wird möglich und vertieft sich, gerade im Business-Kontext bedeutet das, mit angenehmen Kunden zusammenzuarbeiten. Die Falle in das toxische Marketing zu treten wird minimiert, bis ausgeschlossen und das ist eine Win-Win-Situation für alle, denn dadurch kann eine vertrauensvolle Basis geschaffen werden.

Es gibt so viele Gründe, warum eine authentische Kommunikation eine Schlüssel-Fähigkeit ist und warum ich es liebe, Mentorin für authentische Kommunikation zu sein, erläutere ich in meinem nächsten Artikel.

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